Le Mans Classic 2018

Nach dem Besuch der Spa Classics 2016 stand fest, wir müssen nach Le Mans, an die Quelle des historischen Motorsports. Die alten Klassiker da erleben, wo sie ihren Ursprung zu Legenden hatten. Die Le Mans Classic Veranstaltungen werden aber nur alle 2 Jahre ausgetragen, warum, das wird einem sehr schnell klar, wenn man diese einzigartige Veranstaltung besucht hat. Der Aufwand ist einfach unbeschreiblich hoch, wesentlich höher, als die jährlichen 24 Stunden-Rennen in Le Mans. Wir avisierten also 2018 als Termin an und schauten, wie wir das planen können. Die Idee war, auf dem Hinweg noch die alte Rennstrecke in Linas Monthlery zu besuchen, in der Hoffnung, dass wir die Strecke mit ihren Steilkurven besichtigen dürfen. Die Strecke liegt kurz unterhalb von Paris, unmittelbar an der Autobahn A10. Historische Rennen sind etwas wunderbares, guter Wein ebenfalls, also planten wir einen Abstecher am ersten Tag vor der eigentlichen Veranstaltung beim Chateau Valmer. Dort, in der Nähe von Amboise, gibt es köstliche Weine und Sekte aus der privaten Schlossabfüllung zu einem kleinen Kurs zu erwerben.

Das Rahmenprogramm stand, nun mussten wir Tickets erwerben und uns informieren, wie gelangt man denn an die einzelnen Streckenabschnitte. Wir waren ja noch nie bei dieser Veranstaltung, wissen aber, dass die Strecke schon recht ausufernd ist. Informationen waren sehr rar. Selbst ein Besuch im Sommerurlaub 2017 in Le Mans brachte keine näheren Erkenntnisse. Wir hatten dazu im Museum an der Rennstrecke nachgefragt, aber es gab keine weiteren Infos. Das war sehr schade. Recherchen im Internet ergaben, wir sind nicht alleine. Vielen geht/ging es so, wie uns. Des Weiteren wussten wir zwar, wir fahren da hin, aber wie und wo bekommen wir die Tickets? Das ließ sich gut recherchieren, die Tickets erlangten wir über die offizielle Website dazu. Wir mussten warten, bis die Tickets online freigeschaltet waren. Am 24.10.2017 war es dann soweit, die Tickets ließen sich gegen Mittag buchen. Das war schnell und unkompliziert erledigt. Doch was bucht man an Tribünen, Fahrerlager oder what ever noch sinnvoll dazu, ohne gleich einen Kleinkredit aufnehmen zu müssen. Wir haben dann für alle Tage noch den Bereich der Paddocks dazugebucht.

Ticket
Paddock

Sodale, die Tickets waren gebucht, aber irgendwo mussten wir ja auch schlafen. Wichtig war uns, dass wir möglichst das Auto nicht bewegen müssen, dachten wir, aber dazu im Bericht noch Näheres. Über www.booking.com suchten wir uns eine Unterkunft raus. Wir hatten großes Glück und fanden etwas direkt in Le Mans, nur ca. 3km von der Strecke entfernt. Das Ganze war auch noch extrem preiswert und schon inkl. Frühstück. Eine Ferienwohnung für 6 Personen in einem Zimmer, so lasen wir das. Inkl. Frühstück für 2 Personen und 5 Nächte für sagenhafte 285,25 Euro. Wir buchten das einfach mal. Irgendwie konnten wir das gar nicht fassen.

Suite

Um es vorweg zu nehmen, es gab dann doch eine Überraschung. Die Gastfamilie ist wirklich extrem nett gewesen. Direkt bei der Ankunft begrüßten sie uns mit einem eisgekühlten Bier aus dem Fass. Wir saßen im Garten, plauderten, sprachen ab, wann wir frühstücken wollten, ob mit einem Ei, welche Brote, Marmalede, Käse, Wurst, alles wurde abgestimmt, wir waren baff. Das Haus machten einen sehr netten Eindruck, fein, aber klein. Wie klein, das wurde uns schnell bewusst, als wir zu den Zimmern gingen. Diese lagen im ersten Stock, mit Dachschrägen. Alles war erst vor kurzem renoviert worden. Es gab eine Art Wohnzimmer mit kleiner Sitzecke, einen Rechner und ein paar Schränken. Dazu gesellte sich ein Bad, eine kleine Toilette und drei Zimmerchen. Diese waren dann aber extrem eng und alle mit Dachschrägen. Es passte dort nur jeweils ein 1,4m breites Bett hinein. Rund ums Bett hatte man ca. 40cm Platz. Da passte kein Schrank rein. War auch nicht so wichtig, unsere Koffer usw. konnten wir ja im Wohnzimmer hin stellen, dachten wir.... Abends wurde uns dann bewusst, halt, wir hatten da etwas falsch verstanden. Es stellte sich heraus, dass die anderen Zimmerchen ebenfalls belegt waren, teils mit täglich wechselnden Menschen. Ein Zimmer war unter der Woche mit einem Arbeiter dauerhaft belegt. Und das Wohnzimmer war der Aufenthaltsraum. Blöd nur, da wollten sich die Menschen auch mal an den kleinen Tisch setzen. 6 Personen passten da aber nicht heran. Uns wurde schnell bewusst, dass wir unsere Koffer usw. irgendwie ins Zimmer verschaffen müssen, nur, da konnte man nur ein paar niedrige Dinge unters Bett schieben. Ein großer Teil wurde dann zwangsläufig im Aufenthaltsraum belassen. Die Dachschrägen und die hohen Temperaturen, wir hatten bestes Wetter, ergaben eine schier unerträgliche Hitze. Es gab ein Dachfenster, doch keinen Windzug. Der ergab sich erst mit offener Tür und geöffnetem Dachfenster im Aufenthaltsraum. Das war uns dann egal, wir schliefen mit offener Tür und bemerkten, dass uns teils die anderen Mitbewohner mal im Zimmer kurz bestaunten. Das ging auch nicht anders, sie saßen ja zwangsläufig am Tisch im Aufenthaltsraum direkt neben unserem Bett..... Am ersten Abend hatten die Gastgeber ein Familienfest direkt unter unserem Fenster in ihrem Garten. Die ausgelassenen Menschen waren fröhlich und lachten viel, aber auch sehr laut. Zusammen mit der Hitze war da an Schlafen nicht zu denken. Die Hitze und Enge waren schon sehr suboptimal. In der letzten Nacht klingelte es dann mehrfach an der Haustüre. Gegen 01:00 Uhr kamen dann neue Gäste, machten das Licht an, gingen die Treppe hoch und runter, sahen kurz bei uns ins Zimmer und bemerkten, da versucht jemand krampfhaft zu schlafen. Bis dann endlich Ruhe eingekehrt war, war ich hell wach. Das war dann doch etwas zu heftig. Das nächste Mal sind wir schlauer, zumal das Fahren mit dem Auto rund um die Strecke während der Veranstaltung kein Problem darstellte. Lieber eine Unterkunft außerhalb von Le Mans nehmen, dafür mehr Platz und Ruhe. Durchs offene Fenster betörten uns auch in der Nacht das Donnern der Motoren.

Doch nun zum eigentlichen Bericht.

Wie schon geschrieben, die Tickets waren gekauft und geplant war, wir fahren Mittwochs los, haben dann Donnerstag noch einen Tag Zeit, um den Wein zu kaufen und es ruhig angehen zu lassen. Montag war die Rückreise geplant.

Wir fuhren also am Mittwoch in der Früh los. Leider hatten wir da schon mehrere Staus, die uns Zeit kosteten. Das Dumme war, unser Navi führte uns direkt durch Paris. Wir standen uns im Stau durch die Mitte der Metropole, immer in der Angst, dass einer der waghalsigen Rollerfahrer, die durch die stehenden Autos teils mit mehr als 80 km/h fuhren, irgendwo am Fahrzeug hängen bleibt.

Paris

Am frühen Nachmittag kamen wir dann in Linas Montlhery an. Die Rennstrecke ist im Besitz der Firma UTAC, die u.a Tests für die Automobilbranche durchführt. Nur zu wenigen Events wird sie für die Allgemeinheit geöffnet. Wer den Film “Die Abenteurer” mit Alan Delon und Lino Ventura kennt, der wird sich eventuell an die Testfahrten von Roland ( Lino Ventura ) mit seinem Dragster erinnern. Diese Aufnahmen sind hier auf der Rennstrecke gefilmt worden! Wir hatten somit Pech und konnten da rein gar nichts besichtigen. Es blieb uns nichts anderes übrig, als die Weiterfahrt nach Le Mans anzutreten. Abends, nach einer echt langen Fahrt und das bei voller Hitze, kamen wir endlich in Le Mans an. Noch eine Fahrt auf der noch nicht gesperrten Strecke um den Kurs, dann bogen wir ab zu unserer Suite... Weiter oben erwähnte ich ja das Erlebnis. Irgendwie mögen Katzen auch Bier...tststs..

Katze-und-das-Bier

Wir sind dann noch in einen nahegelegenen Supermarkt gegangen und haben uns Getränke und etwas zum Abendbrot geholt.

Am nächsten Tag, der Donnerstag vor der eigentlichen Veranstaltung, morgens etwas regnerisch, sind wir mit dem Auto zum Chateau Valmer gefahren und wollten dort den köstlichen Rose erwerben. Wir mussten feststellen, dass sie dort den Rose nicht jedes Jahr im Programm haben und dieser nun ausverkauft war. Wir verköstigten Weißwein und einen Sekt. Das mundete und wurde gekauft.

Chateau-Valmer

Die Rückfahrt genossen wir teils über die Landstrassen, durch schöne Landschaften mit tollen Orten und den obligatorischen Schlössern. Unser nächster Halt war in Monnaie, beim Chateau les belles Ruries. In diesem Schloss hatten wir schon mehrfach Urlaub gemacht. Dort ist es sehr ruhig, großzügig und mit einem netten Ambiente. Das würden wir, so sind wir sicher, beim nächsten Besuch in Le Mans buchen. Das Wetter wurde langsam besser....

Chateau-les-belle-Ruries

Weiter gings in Richtung Le Mans. Unterwegs haben wir uns etwas zu essen und zu trinken gekauft und dann an einer der zahlreichen Rastmöglichkeiten zu Mittag gespeist.

Jause

In Le Mans angekommen, unterlagen wir sehr schnell dem Zwang, noch ne Runde über die immer noch geöffnete Strecke zu absolvieren. Anbei ein paar Impressionen...

Die berühmteste Kurve ever... Wobei, die Literatur spricht übrigens oftmals nicht von der Hunaudieresgeraden, sondern von der Mulsannegeraden. Mulsanne nennt sich der Ort am Ende der langen Hunaudieresgeraden, da, wo die Fahrzeuge von Höchstgeschwindigkeit runterbremsen, bis in den ersten Gang, um die 90 Grad Kurve zu bewältigen. Das Schild steht auf der D338 noch am Beginn der Hunaudieresgeraden.

Das-Schild

Auf dem ersten Teilstück der Geraden sehen wir links der berühmten Auberge des Hunaudieres.

Auberge-des-Hunaudieres

Wir fahren auf die erste Schikane zu. Im Rennen gehts hier rechts ab. Der normale Straßenverkehr fährt hier einfach geradeaus, so wie früher ebenfalls die Rennfahrzeuge.

erste-Schikane

Weiter gehts zur zweiten Schikane, die im Rennen nach links abbiegt. Wir fahren wieder geradeaus.

zweite-Schikane

Wieder gehts mit Vollgas auf die Hunaudieresgerade. Vom Gas wird erst vor der Mulsanne gegangen, alles andere ist Vollgas, also auf der Gerade...... auf dieser Gerade, die keinerlei Kurve inne hat, sie ist nur geradeaus.....

Gerade

Kurz vor der Mulsanne kommt uns Captain Cool im De Tomaso Pantera entgegen. Schönes Bild.

De-Tomaso-Pantera

Da ist sie, die berühmte Mulsanne. Es geht rechts herum, 90 Grad und dann mit Vollgas zur Arnage.

Mulsanne

Nach einer kurzen Geraden folgen die Indianapolis-Kurven. Alter Verwalter, die sind schon heftig....

Indianapolis

Die nächste 90 Grad Kurve, die Arnage. Von hier aus gehts dann hin zum Übergang der permanenten Rennstrecke von Le Mans, dem Circuit de Bugatti.

Arnage

Welch ein Plakat! Es ist tatsächlich keine Mauer. Das Plakat erinnert an 70 Jahre Porsche und wie es in Backsteinhallen begann...

70-Jahre-Porsche

Noch ein paar Kurven, dann erreichen wir den Übergang zur permanenten Rennstrecke. Im Bild sieht man das am Ende oben rechts.

Übergang

...nun gehts für die Rennfahrzeuge rechts ab, auf die eigentliche Rennstrecke, den Circuit Bugatti.

permanente-Rennstrecke-Übergang

Wir suchten die Verbindungswege zum inneren Zirkel und schauten uns das Treiben an. Die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren, alle taten, waren aufgeregt.... Erinnert ihr euch an die Herzschläge beim Start im Film Le Mans von Steve McQueen? So fühlten wir uns auch... bubb bubb, bubb bubb, bubb bubb

Vorbereitungen-im-vollen-Gange

Ich sags euch, der Steve war da, er wartete.... “Rennen ist Leben, der Rest ist Warten!”

Steve-war-da

Wir fuhren in die Suite, oder what ever das sein sollte.... Diesen Abend wollten wir ruhig ausklingen lassen, bei Baguette, Käse, Tomaten, Oliven und einem roten Wein. Danach schauten wir uns alte Videos von Rennen aus Le Mans auf dem Notebook an und schliefen voller Erwartung ein.... In Gedanken an ihn...

917-No-12

Der Morgen brach an und wir genossen den Freitag mit einem guten Frühstück. Danach gings auf zur Rennstrecke. die ca. 3 km kamen uns dann doch als deutlich weiter entfernt vor, aber egal, das Ziel war gesteckt und wenn du das Ziel nicht erreichst, ändere den Plan, aber nie das Ziel. Wir hatten uns vorher informiert und es gab auf der offiziellen Website einen Dresscode. Wir haben uns daran einigermaßen gehalten, wobei kurze Hosen bei der Hitze doch angebrachte gewesen wären.

Je näher wir der Rennstrecke kamen, desto größer wurde der Menschentrubel und die Masse an Fahrzeugen. Es war schon beeindruckend, was sich da an Fahrzeugen vor!!! der Rennstrecke tummelte, das Who is Who der Automobilgeschichte. Hinterm Museum durch die Unterführung hindurch, endlich, angekommen. Wir wussten eigentlich nicht, wo wir zuerst schauen sollten. Wer sowas noch nie erlebt hat, das ist der totale automobile Overflash! Ich versuche hier noch einigermaßen sachlich zu bleiben, damit ich den Eindruck und die Bilder gut vermitteln kann, es fällt aber schwer... Als Einstiegsdroge nehmen wir mal den Porsche 911 RS aus dem Jahre 1973, ein perfektes Stück Automobilgeschichte. 2,7 Liter Hubraum und 210 PS. Wir fanden ihn gleich nach dem Eingang auf einer Wiese links. Hier wurden die Fahrzeuge bestaunt, die nicht bei den Rennen dabei waren.

73er-RS

Unmittelbar daneben entdeckten wir ihn, unseren Traumwagen, den Porsche 917K in Gulf-Lackierung mit Startnummer 12. Ehemals von Vic Elford und Richard Attwood gefahren. Ein Traum wurde wahr...

917-No-12
917-No-12-Seite
917-No-12-Cockpit
917-No-12-Spiegel
917-No-12-EA
917-No-12-Rad

Und ehe wir uns nen Wolf scrollen, gehts hier weiter mit dem Teil 2 der Le Mans Classic 2018.