Mit Sabine im 997 GT3 RS

Tja, da wird man 50 und bekommt etwas geschenkt. Meine liebe Gattin Anke hat mir doch tatsächlich eine Runde im Porsche 997 GT3 RS mit Sabine Schmitz geschenkt. Aber nicht nur eine Runde auf der Nordschleife, nein, Anke hat dazu 2,5 Jahre vorher mit Sabine Schmitz via Motor-Talk Kontakt aufgenommen. Die gesamte Zeit stand nicht fest, ob das Event nun stattfinden kann. Die Unsicherheiten, wie es mit dem Nürburgring weitergeht, aber auch, ob solche Fahrten im VLN überhaupt noch stattfinden dürfen und ob Sabine da überhaupt Zeit findet. Sie ist ja für die Sendung Top Gear stetig in aller Herren Länder unterwegs. Schlussendlich war es dann endlich soweit. Zwei Termine standen zur Auswahl, ich entschied mich für den 21.10.2016.

Die Vorfreude war groß, wie ist das so mit 450PS? Wie verhält sich so ein Fahrzeug auf der Rennstrecke? Wird es Ende Oktober nicht arg rutschig auf der Nordschleife? Welche Beschleunigungs- und Bremskräfte erwarten mich? Wird Sabine umsichtig fahren, also Schulterblick und so? Fragen über Fragen...

Um das Event abzurunden, buchten wir bei Sabines Mama ein Zimmer im Hotel Am Tiergarten und für Abends einen Tisch in der legendären Pistenklause.

Der 21.10.2016 stand in den Startlöchern. Wir fuhren morgens gegen 07:00 Uhr gemütlich über Gießen, Limburg, Montabauer und Mayen zum Nürburgring. Angekommen erkundigten wir uns, wie wir problemlos ins Fahrerlager fahren konnten, was überhaupt kein Problem war. Danach fuhren wir ins Hotel und machten uns ein wenig frisch. Ganz nach dem Motto, wenn schon sterben, dann mit nem guten Duft.

Kurz vor 14 Uhr waren wir dann im Fahrerlager an der Abbelen-Box. Zur Info, das Frikadelli-Racing-Team gehört Klaus Abbelen, dem Freund von Sabine Schmitz. Frikadelli? Ja, Klaus Abbelen stellt bundesweit seit Jahrzehnten für alle großen Lebensmittelketten Frikadellen her. Sein Spitzname war schon immer Frikadelli, da lag der Name halt recht nahe.

Alle Teammitglieder waren total nett und offen. Wir wurden an eine junge Dame verwiesen, die sich um uns kümmerte. Nach ersten Einblicken in die Frikadelli-Box, einer kurzen Erklärung zum 997 GT3 RS, mit dem ich dann später mal gezeigt bekommen sollte, was Autofahren denn nun wirklich bedeutet.

Der 997 GT3 RS von Sabine Schmitz

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Die Abbelen Box

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Hiernach gingen wir in die VIP-Lounge des Teams. Dort war für unser Leibliches Wohl gesorgt. Anke nahm etwas vom Schweinelendchen mit Kartoffelauflauf und Tomatensalat zu sich und befand, dass es wirklich sehr sehr lecker schmeckte!

Wir stellten fest, wir waren insgesamt 6 Personen, die an diesem Tag eine Runde Nordschleife inkl. Grand-Prix-Strecke mit Sabine absolvieren durften. Das Ganze fand aber nicht als reine Einzelrunde statt, sondern im Abschlusstraining der VLN für das am Samstag stattfindende 4 Stunden-Rennen. Das bedeutete, mit allen Fahrzeugen auf der Strecke, ob die langsameren, oder die schnellen Fahrzeuge und vor allem, mit Verkehr. Das konnte nur spannend werden!

Zumindest war mir da klar, da mussten alle Sicherheitsvorschriften eingehalten werden. dazu gehören ein Helm ( hatte ich mitgebracht ) und ein Rennoverall. Den bekamen wir gestellt.

Dann trat eine zierliche Person in den Raum und rief: Bierchen! Sabine Schmitz trat in die Lounge und sie war, wie ich sie mir vorgestellt hatte, total locker und lustig!

Ich streifte den Rennoverall über meinen zarten Körper, hm, passt sogar und macht nen schlanken Fuß. Ja klar, ein Foto mit der Akteurin musste sein:

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Es folgten Gespräche, ein fröhliches Miteinander und das Kennenlernen der anderen Probanden. Klasse war, der Presse- und Modefotograf der Firma Poppken war auch mit von der Partie. Vom ihm folgen noch weitere Fotos! Das find ich klasse und hier schon mal meinen ausdrücklichen Dank dafür!

Wir mussten uns ordnungsgemäß mit Kopie des Personalausweises anmelden und erhielten ein grünes Bändchen.

Wir waren nun der Club der grünen Bänder.

Das gewährleistete, dass wir überhaupt auf die Rennstrecke durften. Am Ende der Boxengasse mussten wir dies nachher deutlich aufzeigen.

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Wie sagte Steve McQueen doch mal so treffend: Die Zeit zwischen zwei Rennen ist warten....

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Letzte Instruktionen wurden uns zu Teil..... Aufmerksam hörten wir den Ausführungen zu.

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Ein letztes Gruppenbild mit Dame von unserer illusteren Truppe.

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Leider konnten von unseren Fahrten keine Videoaufzeichnungen angefertigt werden. Durch ein Missverständnis waren die Kameras nicht im Fahrzeug verbaut, schnief.....

Kurz vor 16:00 Uhr fuhren die Fahrzeuge nach und nach in die Boxengasse und reihten sich nacheinander auf. Irgendwie schnellte nun auch der Puls bei mir empor. 16:00 Uhr, die Boxengasse wurde geöffnet und mit lautem Getöse donnerten die Fahrzeuge auf die Strecke.

Der Erste von uns Mitfahrern stieg ins Auto und wurde fest im Sitz angeschnallt. Auf gings ins Abenteuer. Nach der Runde hielt Sabine mit ihrem ersten Probanden wieder vor der Box. Der zweite Mitstreiter bekam seine Fahrt. Proband 1 war doch sehr durchgeschwitzt, obwohl er einige Zeit zuvor schon ein ähnliches Training mit 3 Runden im BMW M3 GTR absolviert hatte, eine Runde als Mitfahrer, zwei Runden als Fahrer mit Instruktor.

Sabine kam wieder an die Box, ich war als Dritter Patient an der Reihe. Ich klappte den Helm herunter und stieg ein. Sabine und die junge Dame, die uns am Anfang in Empfang nahm, schnallten mich mit den Gurten im Fahrzeug fest.

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Ihr kennt diese Pose? Le Mans-Fans wissen....

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Tür zu, Gang rein und aufs Gas. In der Boxengasse herrscht ein Tempolimit. Am Ende der Boxengasse musste ich den Arm mit dem deutlich sichtbaren grünen Bändchen hochhalten. Es ging auf die Grand-Prix-Strecke. Da war nichts von wegen, wir schauen mal, dass wir uns langsam gewöhnen, nix da, rauf aufs Gas, die ersten Gänge komplett durchgeschaltet und dann gings zwischen mehreren Fahrzeugen auf die erste Rechtskurve zu. Dann das erste Mal bremsen. Meine Güte, was für eine Verzögerung, sensationell! Sowas wünschte ich mir auch nur annähernd in unseren Fahrzeugen, HAMMER. Du hängst als Beifahrer komplett im Gurt. Sabine überfuhr mit einem heftigen Einschlag der Lenkung die Reifen, der 997 rutsche über alle vier Räder, war dabei aber erstaunlich stabil. Ich denke, sie heizte die Reifen damit auf, übrigens Semislicks von Conti mit Strassenzulassung! Danach ging die wilde Hatz los. Wir bedenken, die Fahrbahn war an vielen Stellen noch feucht! Rein in die erste Kurve ( Mercedes Arena ), vorbei an einem M3, immer schön am Limit, das Fahrzeug rutschte immer ganz leicht an der Haftungsgrenze herum, aber total neutral!  Wir befinden uns immer noch auf der Grand-Prix-Strecke. Auf zur Dunlopkehre und wieder konnte ich meiner Verzückung ob der irren Haftung nicht annähernd Ausdruck verleihen, ich musste meinen Körper, trotz der Gurte, irgendwie am Platze halten. Weiter gings durchs Michael-Schumacher-S auf zur Warsteiner Kurve ( eigentlich eine Schikane ) zum Advan-Bogen. Erstaunlich sauber und nur ab und an die Körbs berührend fuhr Sabine ( seit der Begrüßung per Du ) durch den Kurs. Wieder hart in die Eisen, dann gings links ab auf die Nordschleife. Am Hatzenbach noch ein paar Fahrzeuge überholt, fuhren wir auf der Quiddelbacher Höhe Richtung Flugplatz. Die Sprunghügel sind schon faszinierend, vor allem, wenn man dabei auch noch Fahrzeuge überholt. Da stellt man sich die Frage, sehen die uns? Sie taten es wohl... Ab am Schwedenkreuz mit 280 km/h auf die Rechtskurve am Aremberg zu. Wieder wurde am Limit gebremst und noch ein paar Fahrzeuge überholt. Nun gings auf nasser Strecke durch die Fuchsröhre. Einmal kurz das Gas gelupft, dann mit Vollgas in die Kompression. In unserem Fall waren das wieder 280 km/h. Über den Adenauer Forst, vorbei am Wehrseifen gings hoch zum Bergwerk. Auf der weiteren Fahrt zum Karusell erlangten wir abermals 280 km/h. Zwischendrin zeigte mir Sabine noch den Unfallpunkt von Nikki Lauda. Ich entgegnete noch 1974, worauf mich Sabine richtigerweise berichtigte und ein 1976 ins Auto warf. Soviel Zeit muss sein. Ich war und bin immer noch begeistert, welche Fahrzeugbeherrschung Sabine aufweist, aber auch, welche Haftung die Reifen aufbauen können und wie brachial die Bremsen zugreifen. Das war für mich ein sensationelles und neues Erlebnis. Weiter ging die wilde Fahrt, bis wir auf der Döttinger Höhe 320 km/h erreichten und Sabine anfing an den Spiegeln etwas zu verstellen. Schlußendlich bogen wir wieder in die Zufahrt zur Boxengasse ein und hielten vor der Box. Ich gab ihr die Hand und bedankte mich für dieses tolle Erlebnis! Die Damen befreiten den Patienten vom Gurt, ich stieg aus und berichtete den Mitstreitern. Auch mir war warm, doch war ich nicht geschwitzt. Ich glaubte zuerst, dass man mein breites Grinsen nur noch operativ entfernen konnte... 

Wehmütig, dennoch freudig schaute ich den anderen Mitstreitern auf der Strecke entgegen....

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Nach einiger Zeit ging ich zu Anke in die VIP-Lounge hoch und berichtete. Was hat sie mir da doch für ein tolles Geschenk bereitet. Wir unterhielten uns noch ein wenig, tranken ein Früh-Kölsch und aßen eine Frikadelli.

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Nach 18:00 Uhr tauchte dann auch Sabine Schmitz wieder auf. Es war nun klar, es gab keine Videoaufnahmen. Wir verabschiedeten uns und fuhren ins Hotel, um danach in der legendären Pistenklause unser Abendbrot zu uns zu nehmen.

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Wir wurden sehr freundlich bedient! Leider war das Fleisch des Filetspießes kein Filetfleisch und mit Sehnen durchsetzt, also sehr zäh. Die Idee das Ganze selbst auf einem heißen Stein zuzubereiten, fanden wir aber klasse. Der Restaurantleiter entschuldigte sich bei uns für den Fauxpas. Ich hatte wohl einfach Pech.

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Wir tranken dazu eine Chianti. Wieder im Zimmer angekommen ließen wir die Ereignisse noch einmal Revue passieren, bevor es uns in die Nachtruhe zog. Am nächsten Tag fuhren wir nach dem leckeren Frühstück im Hotel Am Tiergarten gen Köln und besuchten den weltgrößten Grillshop Santos. Ja, das ist schon irre groß und nochmal ja, ich habe eingekauft. Hiernach gings nach Solingen zum Werksverkauf von Jordan-Olivenöl. Die wissen schon, warum da ein großer Tisch mit allerlei Köstlichkeiten zum Probieren aufgebaut ist. Der Geldbeutel wurde auch hier leichter...

Zurück zu Hause angekommen, dürfen wir beide sagen, das war ein tolles Erlebnis: Danke meine liebe Anke!